Kind klettert am Felsen
Mit der richtigen Ausrüstung kann Kletter für Kids am Fels oder in der Halle der größte Spaß sein! Foto: DAV/Birgit Gelder
Technik und Taktik - Klettern mit Kids

Ein Kinderspiel!

Klettern ist als Familiensport sehr beliebt. Für ein ungetrübtes und vor allem sicheres Erlebnis gilt es einige Punkte zu berücksichtigen, sonst wird der familiäre Kletterausflug schnell zur Belastung für alle Beteiligten … und Unbeteiligten.

Regeln

Regeln sind vielleicht uncool, aber wichtig. Grundlegende, sicherheitsrelevante Vorgaben müssen klar kommuniziert, akzeptiert und eingehalten werden: Wo können sich die Kinder gefahrlos aufhalten und spielen? Wo und wann muss ein Helm getragen werden? Was gibt es vor und beim Klettern zu berücksichtigen (Partnercheck, Kommandos, etc.)? Je besser sich die Kids auf Vorgaben einlassen, umso größer sind ihre Eigenverantwortung und ihr Spielraum … und das ist dann doch cool!

Kindgerechtes Setting

Ganz entscheidend ist, den Kletterausflug auf Bedürfnisse, Können und Alter des Kindes auszurichten. Ideal ist ein unkomplizierter, kurzer oder zumindest interessanter Zustieg. Der Wandfuß sollte bequem und sicher sein, ausreichend Platz zum Spielen, Abhängen, Brotzeit machen und Erkunden bieten, ohne dass sich die Kids dabei in Gefahr (Absturz, Steinschlag) begeben oder andere Kletternde behindern. Kletterhallen bieten oft spezielle Aufenthalts- oder sogar Spielbereiche. Genügend Routen mit guter Griffauswahl und engen Griffabständen sind wichtig. An Kunstwänden ist das selbstverständlich, „draußen“ jedoch oft schwierig zu finden: Routen mit gut strukturiertem, kompaktem Gestein, vielen Griff- und Trittmöglichkeiten und gerader Linienführung. Tabu sind brüchige Bereiche. Achtung vor größeren „dubiosen“ Felsstrukturen; die Erwachsenen sollten die Routen vorher selbst klettern (oder kennen). Bestenfalls plant man den Kletterausflug für die Zeiten zwischen den Hauptmahlzeiten. Ist das organisatorisch nicht möglich, ausreichend Verpflegung einpacken. Da Aufmerksamkeit und Motivation bei den Kindern schnell nachlassen, sollte die Dauer zwei bis drei Stunden aktives Klettern nicht überschreiten. Je nach Setting und Spielmöglichkeiten lässt sich der gesamte Ausflug – inklusive elterlichen Kletterns – auch um wenige weitere Stunden ausdehnen.

Klettern & Sichern

Klettern auszusehen hat – geprägt vom Sportklettergedanken mit Vorstieg, Rotpunkt, Onsight und diversen Bewertungsskalen. Die kindliche Interpretation hingegen ist viel offener. Sie reicht vom Baumkraxeln und Felsbrocken-Burg erobern, über Leiter klettern und Seilbaumeln bis zum „eigentlichen“ Klettern. Je jünger der Kletterspross, umso spielerischer sollte man das Klettern angehen und sich nicht auf die eigenen sportlichen Ambitionen versteifen. Die Kids haben selbst die besten Spielideen, die sich oft gut ins Klettern einbauen lassen. Als Erwachsene müssen wir diese nur aufgreifen und für eine sichere Durchführung sorgen.

Spielideen beim Klettern

Seilschaukeln

Vertrauen in Gurt, Seil und Sicherung gewinnen – von wenigen Metern über dem Boden bis zu Swing – stufenlos steigerbar!

Kletterschatzsuche

Wort-Zettel in der Wand verstecken, Kind klettert und sucht, aus den Wörtern wird ein Lösungssatz gebildet (viele Variationen möglich, Achtung: keine Gegenstände verstecken, die nicht runterfallen dürfen).

Flucht in Ketten

Zwei Kinder sind durch ein 1,5-2 m Seilstück (lose hinter den Gurt gesteckt) verbunden, sie müssen nun nebeneinander klettern ohne die Verbindung zu verlieren.

Blind Klettern

Dem Kletterkind werden die Augen verbunden –es darf selbst entscheiden, wie lang es „blind“ bleibt – andere Kinder geben Hinweise zu Griffen/Tritten.

Gipfelbuch-Eintrag

Gipfelbuch oder Zettel mit Stift am Ende der Route befestigen. Das Kind klettert hoch und trägt seinen Namen ins Gipfelbuch ein.

Beliebtes Spiel beim Kinderklettern "Flucht in Ketten". Das kurze Seilstück ist bei den parallel kletternden Kindern nur unter den Gurt gesteckt und darf nicht verloren gehen. Illustration: Georg Sojer

Mythos „Kinder haben keine Angst“

Eine weit verbreitete und falsche These: Kinder kennen keine Angst beim Klettern. Kleine Kinder mögen eine geringere Beurteilungsfähigkeit dafür haben, was gefährlich (z.B. Anprall) und was harmlos (z.B. ein Weberknecht) ist, angstfrei sind sie deswegen jedoch noch lange nicht. Dieser Mythos mag Ursache für das häufig vorkommende Ablassdrama sein: Das Kind klettert fix, scheinbar angstfrei hoch und bekommt oben die „Düse“. In zwanzig Metern Höhe soll es sich ins Seil hängen und nach hinten lehnen. Es folgt der tränenreiche, panische und langwierige Abstieg, begleitet von lauthalsen Anweisungen des elterlichen Bodenpersonals.

Wichtig: Seilhängen und Ablassposition in Bodennähe intensiv üben, Höhe langsam steigern, Dramen vermeiden. Ob Klettern oder Sichern: Als Eltern sollten wir fordern, ohne zu überfordern, entscheidend ist die Eigenmotivation des Kindes.

Kinder können Sichern lernen, sobald sie motorisch zur Gerätebedienung fähig sind, kognitiv den Zusammenhang zwischen ihrem Tun und der Sicherheit der kletternden Person verstehen und sozial kompetent sind, Regeln und Verantwortung anzunehmen. Je geringer die Kompetenz des Kindes in den drei Bereichen, umso enger muss es betreut werden. Je nach Alter ist die Aufmerksamkeitsspanne beim Sichern kurz, das Vergessen von Erlerntem dafür groß. Es gilt: in kleinen Schritten vorgehen, Bekanntes regelmäßig wiederholen, kontrollieren, betreuen und das alles anfangs immer mit Hintersichern durch Erwachsenen oder zweites Kind (mit Betreuung durch erwachsene Person).

Denn unabhängig davon, wie gut die Sicherungskompetenz des Kindes ist, wie klar Regeln kommuniziert sind und akzeptiert werden und ob eigene oder fremde Kinder: Eine gesetzliche Aufsichtspflicht besteht bis zum 14. Lebensjahr immer und ist entsprechend ernst zu nehmen. Ist das Setting des familiären Kletterausflugs hinsichtlich Timing, Gebiet und Spielmöglichkeiten entsprechend der kindlichen Bedürfnisse ausgerichtet, steht dem ungetrübten Familienklettern nichts im Weg. Stimmen die Gegebenheiten nicht, ist es wenig ratsam, das Ganze zu erzwingen. Und grundsätzlich gilt – wie eigentlich immer im Bergsport: Flexibel bleiben und einen Alternativplan haben.