Der Ausrüstung gilt beim Klettern mit Kindern ein ganz besonderes Augenmerk. Nur mit dem richtigen und passenden Material machen die ersten Kletterzüge des Nachwuchses am Fels oder in der Kletterhalle so richtig Spaß und sind vor allem sicher. Glücklicherweise bietet der Markt mittlerweile perfekte Ausrüstung für die Kleinen an.
Hinweis
Dieser Artikel beschäftigt sich ausschließlich mit der Kletterausrüstung für Kinder und stellt keine Anleitung dar, Kindern das Sichern beizubringen!
Grundsätzlich empfehlenswert für Kinder ist ein Kletterkurs, den viele Sektionen und Kletterhallen anbieten.
Manchmal haben Mama oder Papa gerade keine erwachsenen Kletterpartner*innen, die sie in ihren Projekten sichern. Kinder können diese Lücke nicht füllen – auch nicht mit Hilfe von Bremsassistenten und sonstiger Maßnahmen. Die Übertragung von Verantwortung muss altersgemäß und vor allem abhängig von der tatsächlichen motorischen, kognitiven, persönlichen und sozialen Kompetenz dosiert werden und darf nicht überfordern.
Gurt
Anders als die meisten Erwachsenen haben Kinder einen hohen Körperschwerpunkt: Der Kopf wiegt viel im Vergleich zum Rest des Körpers. Bei Kindern, die das Hängen im Seil noch nicht gewohnt sind oder nicht ausreichend Körperspannung für eine aufrechte Position aufbauen können, sind Ganzkörpergurte (Komplettgurte) empfehlenswert. Sie verhindern im Sturzfall das Kippen kopfüber. Ähnlich wirkt eine Kombination aus Kinderhüftgurt und Kinderbrustgurt.
Ungefähr ab dem sechsten oder siebten Lebensjahr ändern sich die Proportionen und die Hüften bilden sich stärker aus. Kinderhüftgurte können dann ohne zusätzlichen Brustgurt verwendet werden. Infolge eines Sturzes aus dem Hüftgurt herauszufallen, ist dann höchst unwahrscheinlich.
Spezielle Kindergurte sind nur bis zu einem Körpergewicht von vierzig Kilogramm zugelassen. Spätestens dann muss der Umstieg auf einen kleinen Erwachsenengurt in Größe XXS oder XS erfolgen.
Wichtig bei Kindern ist, dass der Gurt gut sitzt und bequem ist. Damit Gurte zumindest über einen gewissen Zeitraum hinweg optimal angepasst werden können, gibt es Modelle mit anpassbaren Beinschlaufen, verschiebbarem Hüftgurtpolster, beidseitigen Doppelschnallen für das Hüftband oder auch textilen Gelenkelementen. Wichtig ist dabei, dass der Zentralring immer mittig positionierbar ist.
Helm
Ein moderner Inmold-Helm schützt Kinderköpfe nicht nur vor Steinschlag, sondern vor allem auch beim seitlichen Anprallen an der Wand. Pendler beim Toprope-Klettern können häufig ähnlich gefährlich werden wie Stürze im Vorstieg. Deshalb: Keine Kompromisse beim Helm!
Erfüllen Kinderkletterhelme neben der Norm EN 12492 auch die Norm EN 1078, können sie bedenkenlos auch als Fahrradhelme benutzt werden.
Bequemer Sitz und eine lässige Optik sind wichtig: Denn nur wenn das Kind den Helm gern trägt, bleibt er auch auf dem Kopf.
Seil
Das Handling mit starren, drahtartigen, glatten Seilen fällt Kindern schwer. Besser sind geschmeidige und weiche Seile.
Als Kompromiss zwischen geringem Gewicht, Langlebigkeit und guter Haptik hat sich bei vielen Kinderkletterkursen ein Seildurchmesser von ca. 9,5 mm etabliert.
Auf eine Imprägnierung des Seils kann man beim Klettern mit Kindern im Klettergarten durchaus verzichten.
Sicherungsgerät
Kinder lernen schnell und können ab etwa acht Jahren an das Sichern von Gleichaltrigen herangeführt werden. Wegen ihrer wenig kräftigen Hände sollten sie unbedingt bremskraftverstärkende Geräte benutzen – also die sogenannten Halbautomaten.
Bei der Wahl des Gerätes muss ein Kompromiss gefunden werden. Halbautomaten wie das Petzl Grigri+ oder das Edelrid Pinch bieten hohe Sicherheitsreserven beim Vor- und Nachstiegssichern, da sie unabhängig von der Bremshand funktionieren. Allerdings sind sie schwer und das Ablassen erfordert, dass das Bremsseil nur noch von einer Hand umfasst wird, da die zweite den Ablasshebel bedienen muss. Hier sind sicherheitstechnisch die Autotubes (Geräte mit Schnabel wie das Fish von Austrialpin o.ä.) im Vorteil.
Wichtig: Kinder beim Sichern und Klettern immer in einer Weise beaufsichtigen, die ein direktes und aktives Eingreifen jederzeit ermöglicht.
Am besten unterstützt ein Erwachsener oder ein Kind unter Aufsicht eines Erwachsenen hintersichernd beim Ausgeben des Seils, so dass immer drei Hände am Bremsseil sind.
Das optimale Gewichtsverhältnis zwischen sicherndem Kind und zu sicherndem Kind beträgt nicht mehr als ca. fünf Kilogramm.
Wer als Erwachsener Kinder im Vorstieg sichern möchte, benötigt viel Erfahrung, um einen Sturz möglichst weich abfangen zu können. Beim Sportklettern haben in diesem Zusammenhang dynamische Sicherungsgeräte – wie das Tube – evtl. noch ihre Berechtigung. Empfehlenswert ist jedoch v.a. das Sichern mit Sensorhandtechnik (siehe Panorama 4/2018).
Kletterschuhe
Kletterschuhe für Kinder und Jugendliche müssen bequem sein. Sind sie zu eng, kann es zu einer Schädigung der noch nicht fertig ausgebildeten Fußknochen kommen.
Kinderkletterschuhe mit Einstellsystemen wie Einlagen und spezieller Schnürung können über einen gewissen Zeitraum „mitwachsen“. Wichtig: Bei einer Neuanschaffung wählt man die engste und kleinste Einstellung.
Markante Druckstellen oder Blasen sind ein Zeichen dafür, den Kletterschuh auszutauschen.
Ab etwa Schuhgröße 35 kann man auf die kleinen Modelle für Erwachsene wechseln. Auch dann ist Komfort das entscheidende Kriterium. Vorspannung und Down-Turn sind da eher kontraproduktiv.
Tipp: Für Kinder lieber häufiger einen gebrauchten, günstigen und bequemen Kletterschuh kaufen als selten einen nagelneuen und teuren, der dann schnell wieder zu eng ist.
Expressen:
Große Karabiner sind mit kleinen Händen nur umständlich zu bedienen. Leichter fällt das Ein- und Aushängen mit kleinen Karabinern.
Modelle wie der Nineteen G von Edelrid, der Ange S von Petzl oder der Micro von Austrialpin sind interessant – für Kinder beim Sportklettern und für Erwachsene beim Mehrseillängenklettern (geringes Gewicht).
Kleidung
Keine schweren, robusten und abriebfesten Hosen und Oberteile.
Leichte Sportkleidung – evtl. mit elastischem Anteil für mehr Beweglichkeit. Spezielle Sportkletterbekleidung gibt es zwar auch für Kinder, ist aber nicht unbedingt notwendig.
Warme Jacke und Mütze für den Aufenthalt am Fuß der Wand, v.a. in der Übergangszeit.